30. März 2013

Warten auf Godot ?!


Künstlerin Ursula Nicolussi über das Warten der Refugees auf ein daSein und Bleiben-dürfen

es ist spät. ich werde laut.
adalat khan und andere sitzen immer noch und warten.
sie hoffen nicht mehr. es ist ja niemand da, der ihnen zuhört.
sie sind alleine in dem verlies.


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beim nachbarschaftsfest habe ich mit dem pater des servitenklosters gesprochen. er sagte, er wisse gar nichts und was er damit zu tun haben solle. er wäre nur da, um sich “die leute anzusehen”. so scheint das zu sein. der eine weiss nicht, was der andere tut, niemand fühlt sich verantwortlich, dialog findet nur via verfügungen statt. dass die refugees sich wehren ist nicht weiter verwunderlich.

das bmi ist dabei auszumisten. 27 ausweisungsbescheide sollen persönlich zugestellt worden sein. mehrheitlich an pakistani, verteilt auf andere aus afghanistan, bangladesh etc.

7000 € gibts beim freiwilligen gang in den kopfschuss.7000€ ist uns österreichern also ein menschenleben wert.


dass das aussenministerium für sämtliche staaten, aus denen die refugees stammen, dringende reisewarnungen ausgibt hat eine asylbehörde vielleicht noch nicht erfahren. auch nicht, dass in pakistan letztes jahr allein durch US-drohnen hunderte männer, kinder und frauen getötet worden sind. abgesehen davon, dass mancher pakistanischer refugee sicher einen grund haben mag, nicht in sein wunderschönes swat-tal zurückzukehren und familie und freunde hinter sich lassen zu müssen.

hier sind sie. verloren. haben zigtausende kilometer flucht in kauf genommen und vieles mehr.
wir stecken sie dann in die saualm oder ähnlich miserable quartiere.


der einzige unterschied zwischen ihnen und unserem vieh ist, dass das vieh arbeiten darf und regelmässig gefüttert wird.
bei guter kontrolle hat es das vieh auch sauber und warm.
sie sind dem vieh aber untergeordnet.


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es geht nicht darum, ob eine gruppe von refugees eine kirche besetzt hat. scheiss auf die kirche, die könnte jeden einzelnen von uns durchfüttern im rahmen ihres humanitären deckmantels.
es geht um menschen, die eine geschichte haben und die hilfe brauchen. nicht nur brauchen, sondern auch geben wollen. viele der refugees haben eine weit höhere ausbildung als die, die hetzen in den foren und sich dafür stark machen, dass die grenzen dicht werden, damit wir deixmandeln untereinander karten spielen können und kein dunkleres gesicht zu sehen bekommen, als das der lieblingsnutte im laufhaus.

lasst sie nicht im stich. es sind 63 männer, die ein zeichen setzen wollen, stellvertretend für die vielen anderen, und sie warten.

warten auf ein humanitäres bleiberecht, warten auf die abschiebung, warten auf das essen, warten auf jemanden, der da ist und zuhört.
sie warten. das warten ist das schlimmste von allem.


AUTORIN
ursula nicolussi, bildende künstlerin, geb. in bregenz am 29.9.1975
österreicherin der 2. generation.

nicolussi stammen aus lusern im oberen trentino/ italien.
lusern war das bollwerk an der kaiserjägerfront im 1. WK. und die nicolussi wurden als ganzes dorf nach mähren ausgesiedelt. als sie 1919 zurückkamen war das dorf zerstört. mussolini hat die zimbrische sprache, einer der ältesten deutschen dialekte, verboten und so fanden viele nicolussi ihre neue heimat in österreich.
meine grossmutter ist mit ihren 16 kindern von kärnten über das burgenland bis nach vorarlberg geflüchtet.
zu essen hatten die kinder saubohnen, kartoffeln, die sie von den feldern stahlen, und krähen, die die grossmutter schoss.
der grossvater arbeitete bei der eisenbahn.
ich bin nicht illegal. kein mensch ist illegal.

Kommentare:

  1. Habe die Refugees im Servitenkloster selbst besucht und mit Einigen geredet, mein Eindruck war sie sind dort auf dem "politischen Abstellgleis" wie auch Ursula gut beschreibt, können nur noch warten u AktivistInnen sind auch kaum noch dabei.

    Die persönliche Lage der Menschen dort aber durch viele Negativbescheide, zermürbenden Kampf verschlimmert, von Durchbringen politischer Anliegen u Bewegung, Bewußtmachen des Themas ganz zu schweigen.

    Engagement u neuer Schub für dieses sehr wichtige Thema wären dringend nötig, von ehrlich engagierten AktivistInen aber auch prominenten FürsprecherInnen.

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  2. Aus den Augen, aus dem Sinn... Leider.
    Derzeit wirkt es so, als würde das mediale Interesse komplett wegbrechen....

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